Liebe Helen und alle zusammen,
"Fritsch":20s4ysne schrieb:
Ich komme sehr gut mit Mond (Mutterprinzip) und Sonne (Vaterprinzip) aus und brauche keine Häuser dazu!
das ist auch grundsätzlich meine Sicht der Dinge.
Saturn sehe ich, in Bezug auf die Eltern, als erzieherische Instanz, die in Verbindung mit Sonne und / oder Mond jeweils unterschiedlich erlebt werden kann.
Saturn ist ja nun nicht der große Fiesling, der immer nur restriktiv daher kommt und bei Erziehungsfragen eindeutig die Buhmann-Rolle inne hat. Also in etwa, wenn ein Elternteil negativ erlebt wurde, dann wird ihm eindeutig Saturn zugeordnet.
Nein, nein, ich denke, das wäre generell betrachtet zu einfach.
Sicher, in der klassischen Astrologie ist Saturn der "große Übeltäter" und hat so gesehen keine Rolle, um die ihn die anderen Planeten nun gerade beneiden würden. Er gilt meist als Hemmnis und ihm wird nachgesagt, dass er Dinge und Vorhaben vereiteln kann.
Dies eins zu eins auf die psychologische Astrologie zu übertragen, funktioniert so nicht. Dass wir ihn hier auch zunächst oft als hemmenden Part erleben, liegt weniger an seiner Rolle, als vielmehr daran, wie weit wir in unserer persönlichen Entwicklung fortgeschritten sind.
Mit der Stellung Saturns verbinden wir Richtlinien, die wir natürlich in der Kindheit durch die Eltern erfahren. Er ist der Ort, wo wir Struktur erleben - aber in beide Richtungen, als strafende Instanz aber auch als eine Richtung und somit Sicherheit gebende Instanz.
Zweifellos ist es natürlich so, dass man die eher negativ empfundenen Dinge mehr im Gedächtnis hat, als das selbstverständlich und somit positiv erlebte - das, was man einfach annimmt. Aber auch das ist Saturn.
Da kann es natürlich schon sein, dass ein Elternteil zu der Negativausprägung dieser Energie besonders beiträgt oder dabei als besonders stark erlebt wurde. Dass dies meist oder häufig vielleicht die Mutter ist, mag auch daran liegen, dass sie eine viel größere Zeit mit dem Kind verbringt und somit mehr und öfter restriktiv erlebt wird, als ein häufig beruflich abwesender Vater.
"Fritsch":20s4ysne schrieb:
In den Industriegesellschaften können diese Archetypen im Gegensatz zu früher in der Erziehung eines Kindes weniger differenziert erscheinen: ein Mann mag „mütterlich" oder eine Frau „väterlich" erziehen, je nach Charakterneigung und Lebenssituation, und so müssen wir Astrologen gesellschaftliche Veränderungen in unsere Deutungen mit einbeziehen.
Das ist eine Entwicklung, die sicher in Zukunft stärkerer Beachtung bedarf. Väter sind in der Erziehung heute sehr viel aktiver, als es früher der Fall war.
Wenn ich mir Horoskope ansehe und die Geschichte dazu kenne, so kann ich nicht immer klar sagen, ob Saturn nun diesen oder jenen Elternteil repräsentiert bzw. mehr mit dem einen oder dem anderen in Verbindung gebracht werden kann - manchmal geht das vielleicht, aber sicher nicht in der Masse.
Eine mit Saturn erlebte Hemmung oder Erschwernis in der Entwicklung kann ebenso gut durch das Erleben des Kindes beider Elternteile - vielleicht auch miteinander - verankert werden.
Was die Zuordnung von Vater und Mutter zu Häusern anbelangt, so bin ich auch skeptisch. Was für mich denkbar ist wäre, dass die Häuser zusätzliche Hinweise geben.
Hier kommen natürlich Haus 4 und Haus 10 besonders in Frage - vielleicht auch noch Haus 5. Alle diese Häuser haben m.E. einen starken Bezug zur Erlebenswelt des Kindes in Zusammenhang mit der Familie. Somit können die hier im Horoskop angelegten Energien sich durchaus prägend auf die Erfahrungen mit Vater und/oder Mutter auswirken.
Später rufen dann Transite durch diese Häuser die gemachten Erfahrungen wieder ab und man bringt sie mit bestimmten Ereignissen und Personen in Verbindung.
Interessant finde ich auch die Beobachtung, dass negative Erlebnisse mit einem Elternteil nicht direkt und als erster Eindruck ins Auge springen müssen. Stattdessen stellt man vielleicht verblüfft fest, dass gerade der andere Elternteil sehr viel problematischer im Horoskop zu stehen scheint.
Was nun?
Es kann sein, dass das Erleben mit dem weniger im Fokus stehenden Elternteil zwar vielleicht dramatisch gewesen ist, dass die Auswirkungen aber viel mehr für die Energien, die mit dem anderen Elternteil in Verbindung stehen, prägend wurden.
Auf den ersten Blick scheint es so zu sein, dass man sagt: "Oh, dieser Mensch hatte bestimmt große Probleme mit dem Vater." Im Gespräch stellt sich heraus, dass es eher umgekehrt war und das Problem und die Dramatik eigentlich mehr mit der Mutter bestand. Vielleicht hat das Kind aber ebenso erlebt, dass auch der Vater unter dem Verhalten der Mutter litt und sich daraufhin und in Zusammenhang mit seinen Prägungen im Horoskop später entschlossen, es in Bezug auf seine väterlichen Energien anders zu machen, als dieser.
Dann sehen wir vielleicht ein Horoskop, in dem die Sonne in ihrer Aspektierung und Stellung ein Entwicklungsfeld in Bezug auf den Menschen anzeigt und der Mond auf den ersten Blick verhältnismäßig "harmlos" erscheint. Erst, wenn man ihm etwas nachspürt, erkennt man die Bedeutung, die vielleicht mehr unterschwellig zur Wirkung kommt.
Es ist also wirklich nicht immer so ganz eindeutig und einfach, ohne ein Gespräch etwas dazu zu sagen, wie Vater und Mutter tatsächlich erlebt wurden. Wie dieser Mensch aber mit seinen väterlichen und mütterlichen Energien von der Anlage her umgeht, können wir recht gut aus dem Horoskop ablesen.
Liebe Grüße
Claudia