Hier wieder meine monatliche Karikatur.
Ein Tag mit Adrian, einer Waagesonne
Adrian, der Waage-Mann, steht um 10 Uhr morgens auf. Er ist eher ein Nachtmensch. Im seidenen Morgenmantel bereitet er sich den Kaffee und holt sich die Croissants, die ihm vor die Tür geliefert werden. Er ist Inhaber eines Antiquitätengeschäfts und anschließender Bildergalerie. Beim Frühstück überfliegt er schnell die Gesellschaftsspalten, um sich dann dem schwierigen Entscheidungsprozess der Anzugwahl stellen zu müssen. Heute soll es ein feiner Cordsamtanzug in taubenblau sein. Zufrieden mit der ausgewogenen Eleganz macht er sich auf den Weg zum Geschäft.
Sein Mitarbeiter, ein Jungfrau-Mann, ist bereits seit 8.30 Uhr tätig. Adrian schätzt seine Präzision und Gründlichkeit, der Jungfau-Mann Adrians weltgewandtes und charmantes Auftreten.
Da betritt eine gute Kundin das Geschäft. Sie ist eine Wassermann-Frau. Kapriziös und exzentrisch tänzelt sie herein.
Sie sucht etwas Ausgefallenes, etwas Besonderes. Adrian bietet ihr einen Sherry an und zeigt ihr mit den Worten. „Für Sie habe ich etwas ganz Ungewöhnliches“ 2 Bilder in Grafitti-Art. Die Unterhaltung der beiden Luftzeichen geht witzig, heiter und charmant hin und her und mit einem Schrei verkündet sie : „Heute will ich einmal ganz inkonsequent sein und beide Bilder kaufen!“ Eigentlich ist sie immer inkonsequent und sprunghaft, wie Adrian weiß. Er beteuert, wie schwer es ihm falle, die Kunstwerke aus der Hand zu geben und freut sich über den guten Abschluss.
Eigentlich sollte er sich jetzt um den Katalog seiner Antiquitäten kümmern, doch ihm fehlt der rechte Antrieb. Wenn er nicht von außen stimuliert wird oder unter Druck gesetzt wird, macht sich seine Handlungsschwäche gefährlich bemerkbar. Er ist dann sprichwörtlich „VAGE“.
Dieses Lauwarme seines Charakters bewog seine Freundin, eine feurige Widderfrau, die ihm immer kräftig Feuer unter dem genussträgen Hintern machen musste, ihn zu verlassen.
Da klingelt das Telefon . Es ist sein Freund, ein Zivilrichter, auch ein Waage-Mann. Der ist bekannt für seine abwägende und ausgleichende Art. Er soll ein Gutachten einer Antiquität erstellen, was Adrian gerne übernimmt.
Der Tag beginnt sich zu neigen. Adrian liebt diese Tagezeit um den Sonnenuntergang. Er nimmt in einem Bistro eine leichte, vegetarische Speise zu sich. Ein Flirt wäre jetzt schön. Zu einer dauerhaften Verbindung konnte er sich allerdings noch nicht entschließen. So war sein Zuhause zwar ästhetisch, doch etwas kühl geblieben.
Der Abend klingt bei einer Vernissage aus, und er geht gegen 2Uhr morgens zu Bett.
Frei nach Ruediger Dahlke Das senkrechte Weltbild
Liebe Grüße
Margret