2012 17 April

Harte Zeiten für Günter Grass

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Erst die Provokation und Ächtung, nun die Einlieferung ins Krankenhaus

Grass
Bild: „Grass“ von Florian K - Bild:Grass.jpg. Lizenziert unter CC BY-SA 3.0 über Wikimedia Commons - http://commons.wikimedia.org/wiki/File:Grass.JPG#mediaviewer/File:Grass.JPG

1999 erhielt der deutsche Schriftsteller Günter Grass den Literaturnobelpreis und war im Alter von 72 Jahren auf dem Höhepunkt seiner Autorenkarriere. Grass befand sich damit endlich in einer illustren Riege von mittlerweile 13 deutschsprachigen Preisträgern und solchen klangvollen Namen wie Thomas Mann und Hermann Hesse. Grass literarisches Werk ist vom Schreiben gegen das Vergessen geprägt, das Nobelpreiskomitee rühmte, dass er „in munterschwarzen Fabeln das vergessene Gesicht der Geschichte gezeichnet hat.“ „Die Blechtrommel“ ist sein Hauptwerk, schon 1959 geschrieben und Vielen durch die kongeniale Verfilmung von Volker Schlöndorff bekannt geworden, der dafür 1979 den Oscar und die Goldene Palme in Cannes erhielt.

Zeit seines Lebens war Grass kein leiser intellektueller Schöngeist, sondern mischte sich immer wieder in die öffentliche Debatte ein. Politisch zu sein, war ihm nicht fremd und so engagierte er sich ab 1962 auch in der SPD als Freund des späteren Bundeskanzlers Willy Brandt. 1992 trat er im Streit über den Asylkompromiss und die damit verbundene Änderung des Artikel 16 im Grundgesetz aus der Partei aus. Grass galt jahrelang als eine moralische Instanz in Deutschland. Erst 2006 begann man darüber in Deutschland kritischer nachzudenken: Grass machte bekannt, dass er im Alter von 17 Jahren der Waffen-SS angehörte, zwar nicht aktiv handelte, wohl aber eben dabei war. Vielen mag es eine Genugtuung gewesen sein, dass nun auch der große Moralist und Mahner endlich Schuld zugab. Dementsprechend fielen einige Aussagen konservativer Politiker aus. Im Großen und Ganzen blieb seine Rolle für Deutschland aber unangetastet.

Nun also die Debatte um das Gedicht „Was gesagt werden muss“, das erstmals am 4. April in der Süddeutschen Zeitung veröffentlicht wurde. Grass erhielt daraufhin ein Einreiseverbot nach Israel und wurde zur persona non grata erklärt – in einem Großteil der deutschen Medienlandschaft wurden seine Aussagen missbilligt. Israel gefährde den brüchigen Weltfrieden und plane den Erstschlag gegen den Iran, bei dem das iranische Volk ausgelöscht werden könne, so Grass in seinem Gedicht – eine Anspielung auf das atomare Konfliktpotential in der Region.

Am gestrigen Tag wurde Günter Grass mit akuten Herzbeschwerden in Hamburger Krankenhaus eingeliefert – keine leichte Situation für den 84-jährigen.

GrassBei einem Blick auf sein Horoskop sehen wir zwei interessante aktuelle Konstellationen. Da ist zum einen der sich anbahnende Transit des Saturn über seinen AC Nach 28 bis 30 Jahren vollendet sich bei uns allen dieser Zyklus durch die Radix und der Saturn kehrt zum AC zurück. In diesen Zeiten gibt es Umbrüche und eine Neubewertung der eigenen Stellung im Leben. Vielleicht empfindet man das Leben auch als Last und starke Bürde, etwas das einen versucht zu disziplinieren. Wenn man die Huberschen Rhythmen des Lebens betrachtet, beginnt zudem alle sieben Jahre ein neuer Lebensabschnitt. Bei Grass nun also im Alter von 84 Jahren. Interessanterweise läuft der Saturn über sein Waage-Stellium von Sonne, Mars und Lilith. Er scheint also die Schattenseiten zu aktivieren und kraftvoll kommt zum Ausdruck, dass man sich nichts mehr bieten lassen kann. Aber natürlich sind mit Saturn auch harte Zeiten angekündigt und dementsprechend fällt die Reaktion aus – auch die des eigenen Körpers.

Zudem steht die Uranus-Rückkehr zur Konjunktion mit dem Geburts-Uranus gerade an. Da ist eine Provokation nicht weit, betreffend heißt das Gedicht ja auch „Was gesagt werden muss“ und es scheint in Grass gewaltig gebrodelt zu haben, der Ausbruch war nicht weit. Am Ende seines Lebens steht er aber nun nicht mehr als Instanz, sondern als provozierendes Pulverfass dar, als einer, der einiges verloren hat. Er läuft Gefahr, nur noch als alter Trottel wahrgenommen zu werden.

Wünschen wir ihm alles Gute, um seine gesundheitliche Krise bestmöglich zu überstehen.

Gelesen 24891 mal Letzte Änderung am Dienstag, 10 März 2015 11:16
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Stefan Ringstorff

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3 Kommentare

  • Kommentar-Link Heidrun Funk Dienstag, 01 Mai 2012 11:21 gepostet von Heidrun Funk

    Hallo Helen,

    wenn jemand von Grassens Qualität als Mahner auftritt und eine Diskussion anstößt, ist es mir hundert Mal lieber, als dass alle schweigen und es kommt ein großer Knall.
    Ich stelle mir vor, dass ein Mensch in der Waage sich vorher sehr wohl überlegt hat, ob er mit seiner Meinung an die Öffentlichkeit tritt und dabei eben auch mit Häme überschüttet wird.
    Es müsste viel mehr Menschen geben, die den Mut haben, sich unbeliebt zu machen. Ich vermisse bei unseren Intellektuellen seit längerem schon die Zivilcourage.

    Herzlichst,
    Heidrun Funk

  • Kommentar-Link Katja Graf Samstag, 21 April 2012 00:08 gepostet von Katja Graf

    Hut ab, Helen!! - Verdammt treffend, auf den Punkt, wie ich finde! - Ich vermute, du hast ihn wirklich verstanden!

  • Kommentar-Link Helen Fritsch Donnerstag, 19 April 2012 09:12 gepostet von Helen Fritsch

    Warum gerade jetzt? Was soll das?

    Für mich hat Grass noch nie aufgehört, mit der Blechtrommel zu spielen und daneben zu schlagen und andere aus dem Takt zu bringen, mal zu Recht, mal zu Unrecht. Uranus steht Konjunktion Jupiter im 5. Haus, Haus der Kinder,auch des inneren Kindes, der Kreativität und der Liebe. Das Kind, das nicht wachsen will, das Kind, das schon mit 3 Jahre dennoch ausgewachsen ist, das Kind, das spinnt, aber auch mehr weiß, als andere, das ist Grass ureigenes Mythos! Jetzt bei einer Uranus Wiederkehr, welches großes Ereignis, noch einmal gegen den Takt kräftig anzugehen: 'Hej, es gibt mich noch, ich betrachte von unten die Menschen als kleines Kind und im uranischen Manier sehe ich sie auf sie herab. Ich bin der Narr, der sich alles erlauben kann, persona non grata, ja genau, das will ich noch einmal sein“.
    Warum jetzt? Ist doch klar, ein letztes Mal, wann denn, wenn nicht jetzt zur Uranus-Rückkehr!
    Zur Erläuterung: Uranus braucht ca. 84-85 Jahre für einen Umlauf. Wir können also höchstens einmal im Leben, dieses Ereignis erleben und Vielen ist es nicht gegönnt. Uranus steht in seiner Radix im zunehmenden Quadrat zum Mond, der stark im Krebs gestellt ist.

    Also noch einmal aus aller Kraft, das Thema Kindheit auf die Bühne bringen, (5. Haus), kräftig opponieren (Uranus)und alle darüber reden lassen (Jupiter). Auf den Wahrheitsgehalt kommt es nicht an. Noch ein letztes Mal Oskar sein,bevor Saturn, der die Sonne, Mars und Lilith schon eine Weile transitiert, über den AC wandert und endgültig müde und matt macht.

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