2011 03 Januar

Anmerkungen zum Artikel über die Astrologie in der Welt am Sonntag vom 02.01.11

geschrieben von

Ich bin Frau Dr. Claudia Becker für den gelungenen Artikel über die Astrologie in der Welt am Sonntag vom 2. Januar "Die moderne Astrologie hat nichts Magisches" sehr dankbar.

Sowohl Anhänger als auch Gegner der Astrologie kommen in ausgewogener und fairer Form zum Wort. Es ist mir ein Bedürfnis dennoch zwei Punkte zu präzisieren, die während des Interviews nicht ausführlich zur Sprache kamen und etwas missverständlich wirken.

Im Abschnitt über die Astrologie-Ausbildung in der AstroPraxis werde ich wie folgt zitiert: „Die Ausbildung ist anspruchsvoll. Die Geschichte der Astrologie und astronomische Grundkenntnisse sind nur ein kleiner Teil auf dem Lehrplan. Die Schüler müssen Horoskope berechnen, die Tierkreiszeichen, die Konstellation der Sterne und Planeten zum Zeitpunkt der Geburt, und in der Lage sein, darin einen Menschen zu erkennen. Zu den Prüfungen, die sich über ein Jahr hinziehen, gehört eine umfangreiche Hausarbeit. Darin beschäftigen sich die Prüflinge mit einer Person, von der sie lediglich die genauen Geburtsdaten kennen. Mehr nicht. "Die Prüflinge müssen die Anlagen plausibel schildern", sagt Helen Fritsch. "Sie müssen eine bestimmte Zeitspanne des Lebens dieser Person genauer untersuchen und erläutern, welche seelischen Themen zu dieser Zeit bedeutsam waren."

Teilnehmer, die sich in der AstroPraxis zum Astrologen ausbilden lassen, müssen sich keiner Prüfung unterziehen. Wir legen dagegen Wert auf regelmäßige Mitarbeit. Wer innerhalb des Ausbildungszeitraumes 75% der Hausaufgaben eingereicht hat, erhält das Zertifikat der AstroPraxis. Astrologie-Lernen soll Freude machen und darf kein Stress-Faktor werden. Wer mehr erreichen möchte und alle Ausbildungsstufen durchläuft, kann die externe Prüfung beim Deutschen Astrologen-Verband ablegen. Unsere Ausbildung bereitet ausdrücklich darauf vor. Der Verband empfiehlt vor der Prüfung, etwas Praxis zu erwerben und sich dann zur Prüfung anzumelden. Das entscheidet aber jeder für sich. Es gibt auch Kandidaten, die sich direkt nach ihrer Astrologie-Ausbildung zur Prüfung anmelden und ebenso erfolgreich sind. Ferner geht der Verband davon aus, dass die Prüfung selbst eine Lernetappe darstellt und gibt damit den Kandidaten die Chance, während des Prozesses noch viel zu lernen. Zeitlich soll sich dies so gestalten, dass eine berufliche Tätigkeit parallel möglich ist. Aus diesen Überlegungen kann sich die Prüfung über einige Monate strecken.

Insofern ist es richtig, diese Prüfung zeitlich zu strecken. Man geht davon aus, dass die meisten Kandidaten tagsüber beruflich eingespannt sind und gibt Ihnen damit die Möglichkeit, ohne zu viel Stress zu ihrem Ziel zu kommen. Wer diese Prüfung besteht, darf sich geprüfter Astrologe DAV nennen. Dieser Titel ist geschützt und sollte nicht mit der ähnlich lautenden Bezeichnung geprüfter Astrologe verwechselt werden, die jeder verwenden darf! Aktuell gibt es in Deutschland etwa über 200 geprüfte Astrologen DAV.

Ich hätte mir gewünscht, dass dieser Unterschied deutlich gemacht wird.

Und dann noch einige allgemeine Überlegungen zur wissenschaftlichen Überprüfbarkeit der Astrologie, deren Diskussion einen Hauptteil des Artikels ausmacht: Statistische Untersuchungen sind meiner Meinung nach denkbar schlecht geeignet, die psychologische Astrologie in ihrem Wahrheitsgehalt zu erfassen. Die Astrologie arbeitet mit Symbolen, die per Definition mehrschichtig sind. Eine gut gelungene astrologische Deutung drückt Wesenhaftes aus. Sie arbeitet strukturalistisch in dem Sinne, dass die einzelne Teile der Deutung mehr als ihre Summe sind. Es gelingt ihr, die kreative innewohnende Logik der astrologischen Bilder mit einander so zu kombinieren, dass der Klient sich umfassend gut verstanden fühlt.

Dies ist ein Vorgang, welcher der Kunst viel näher als der Wissenschaft steht. Ich möchte gern provokativ behaupten: Je analytischer man mit der Astrologie umgeht, desto unzutreffender sind ihre Aussagen. Wir können die Symbole der Astrologie nicht ohne Assoziationen und bildhafte Empfindungen verstehen. Zerstückeln wir einzelne Leistungen der Astrologie, so verliert sie Aussagekraft und wird zur peinlichen Trivialität degradiert. Es ist wie ein Musikstück: Die einzelnen Noten eines Liedes machen nicht seine Melodie aus. Wer so vorgeht und die Melodie vermisst, sollte sich eingestehen, dass er verkehrte Arbeitsmethoden anwendet. Ein weiteres Beispiel: Ähnlich verhält es sich mit der Homöopathie. In den potenzierten Präparaten lassen sich Wirkstoffe chemisch nicht wiederfinden. Dies beweist nur solange ihre Nicht-Wirkung, als man dem medizinischen Aberglauben verfällt, Wirkung hätte nur das, was sich chemisch beweisen ließe.

Was heute geschieht, ist sehr interessant. Den Betroffenen sind, wenn sie krank sind oder eine Lebensberatung wünschen, Statistiken ziemlich gleichgültig. Was ihnen persönlich hilft, wird gern in Anspruch genommen.

So wie der Staat an politischer Autorität heute immer mehr verliert, so schwindet auch der Glaube daran, dass eine positive Wirkung für den Körper oder die Seele nur wissenschaftlich Überprüftes haben kann. Der Verbraucher prüft selbst. Dass die Gefahr dabei besteht, sich zu irren und Scharlatanen zu verfallen, wird so lange in der aktuellen exzessiven Form bestehen, wie alternative Beratungsmethoden staatlich tabuisiert werden. In eine Schmuddelecke gedrückt, haben sie Mühe, sich sauber zu entwickeln. Für den Laien ist im jeden Fall Vorsicht und kritischer Geist sowohl gegenüber voreingenommenen Wissenschaftlern als auch vor Scharlatanen zu empfehlen.

Gelesen 9882 mal Letzte Änderung am Mittwoch, 18 Mai 2011 13:59
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Helen Fritsch

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1 Kommentar

  • Kommentar-Link Claudia Schulz Freitag, 07 Januar 2011 12:44 gepostet von Claudia Schulz

    Ich habe den besagten Artikel gelesen und war sehr angenehm überrascht, dass sich in diesem Medium so differenziert und ausgewogen mit dem Thema Astrologie auseinander gesetzt wurde. Wie es so oft passiert in solchen Artikeln, wenn Menschen – wohlmeinend, aber mit einem gewissen fachlichen Abstand – über ein Thema schreiben, hat die Autorin bezüglich des Lernens in der Astropraxis die tatsächlichen Gegebenheiten nicht zutreffend benannt.
    Das richtig zu stellen, ist in jedem Falle wichtig, damit Interessenten nicht falsche Vorstellungen entwickeln, was sie in dieser Ausbildung und auch natürlich darüber hinaus erwartet.

    Was die wissenschaftliche Überprüfbarkeit anbelangt, so ist es wohl seiner Popularität geschuldet, dass Gunter Sachs ebenfalls zu Wort kam. Er hat es sicher gut gemeint, mit seinen Bemühungen, bestimmte Verbindungen im Horoskop einem statistischen Beweis zu unterziehen. Aber natürlich erkennt jeder, der sich länger und ernsthaft mit Astrologie und Horoskopen, vor allem aber mit den dahinter stehenden Menschen befasst, dass es diese Statistik so einfach nicht geben kann. Die Menschen sind nun einmal individuell, was in ihren Horoskopen immer wieder zum Ausdruck kommt und sich darin spiegelt.
    Dass es in der Deutung neben dem erworbenen Wissen auch des Gefühls und des Einfühlens bedarf, um dieses Individuum im Bild wirklich zu erfassen, erscheint sicherlich manchen Menschen als Wagnis.
    Man könnte sich irren, wenn es nicht etwas gibt, woran man sich beständig festhalten kann. Ich habe auch mal so gedacht – ganz zu Anfang der Ausbildung. Mittlerweile weiß ich, dass gerade diese gestalterische Freiheit den Erfolg ausmacht, mit dem man einem Menschen den Weg zu sich selbst weisen kann.

    Der Artikel macht aber vor allem Mut, dass es sich lohnt, an dem Gebäude der seriösen Astrologie zu bauen und – ganz im Sinne der aktuellen Zeitqualität – besonders einem tragfähigen Fundament Aufmerksamkeit zu schenken.

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