2011 24 Oktober

Wetten, dass Kerkeling nicht zum ZDF geht?

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Wetten-dassDie Nachfolge von Deutschlands beliebtester Fernsehsendung ist weiterhin nicht geregelt

Bild: vektorisiert nach Vorlage von http://www.wetten-dass.com/

Gerade habe ich hier im Astro-Forum den Dialog über das Horoskop von Thomas Gottschalk zwischen Ralf und Claudia gelesen, da kam ich auf die Idee, mich mit der Zukunft von Deutschlands immer noch beliebtester Fernsehsendung auseinander zu setzen: Wetten, dass..?


Die Sendung ist ein wenig in die Jahren gekommen, aber dennoch fasziniert das Samstagsabend-Familienformat noch immer die Massen. Auch nach 30 Jahren erreicht die Endung noch außerhalb von Fußballländerspielen der deutschen Nationalmannschaft die höchsten Einschaltquoten. Seit einer halben Ewigkeit verbindet sich die Sendung mit dem Namen von Thomas Gottschalk, der sie mit einer einjährigen Unterbrechung seit 1987 moderiert. Bei der Folge zum 30-jährigen Jubiläum von Wetten, dass..? am 12. Februar 2011 passierte dann das unglaubliche: Thomas Gottschalk erklärte der versammelten Fernsehgemeinde, dass er zum Jahresende seine letzte Sendung moderieren wolle. Nun folgt also nur noch seine letzte Abschiedsshow am 3. Dezember in Friedrichshafen am Bodensee. Die eingeladene Kanzlerin Merkel wird übrigens Gottschalk nicht die Ehre eines Besuchs erweisen. Sie hat bereits für den 3. Dezember abgesagt.


Alle Welt rätselt aber seitdem über die Nachfolge von Gottschalk. Denn immer noch wird erwartet, dass der Nachfolger oder die Nachfolgerin in Friedrichshafen präsentiert wird. Aber ob das tatsächlich etwas wird? Die Bild am Sonntag spekulierte gestern einmal wieder und die gesamte Medienlandschaft ist eifrig mit dabei. Allen scheint klar: Der auserkorene Kandidat ist Hape Kerkeling. Doch Kerkeling scheint sich zu zieren, so die vereinbarte Pressemeinung. Es gibt Verhandlungen zwischen seinem Hamburger Anwalt und dem ZDF, die bsiher recht zäh verlaufen, weil Kerkeling eigene Vorstellungen in das Format einbringen will.


Was ich vor allem interessant fand, war die charakterliche Beschreibung von ihm in der Bild am Sonntag: „Kerkeling aber riskiert den Wechsel in ein Genre, von dem er nicht weiß, ob er es beherrscht. Er, der generell ohne die Hilfe eines Teleprompters arbeitet, hat in seinen TV-Formaten bisher fast ausschließlich sogenannte „Scripted Comedy“ (Comedy nach Drehbuch) gemacht. Er feierte zwar Erfolge mit Kunstfiguren wie Horst Schlämmer. Aber kann er auch spontan und schlagfertig agieren wie Gottschalk? Kerkeling selbst sagte einmal: ‚Ich stelle mich schon gern dar als Figur. Aber als Person habe ich nicht gerade das Bedürfnis, so im Mittelpunkt zu stehen’. Hape hat mittlerweile 26 Jahre Fernseh-Erfahrung, ist Profi und Perfektionist. Einer, der weiß, was er kann und was nicht. Und: ‚Hape hasst das Mittelmaß. Er bereitet alles perfekt vor, vergisst niemals eine Zeile vom Text und konzentriert sich 100 Prozent’, sagt TV-Produzent Gero von Böhm, 57.“

KerkelingDie Zeilen bieten doch genügend Futter, um einmal wieder, wie bereits in unserem Newsletter im April 2010, auf sein Horoskop zu schauen. Ich denke, dass die damals geäußerten Worte heute immer noch gegen seinen Einstieg bei Wetten, dass..? sprechen:

Wir begegnen zwar einem großen Künstler, der sich in der Lage ist, sich intuitiv in sein Publikum einzufühlen (Venus Konjunktion Neptun) und doch auch immer wieder den Rückzug braucht, um Kraft zu schöpfen. Ein immer wiederkehrendes Format wie Wetten, dass..? könnte erdrückend auf ihn wirken.

Kerkeling kann reden und weiß um die Macht der Worte und doch muss er eben seine Worte akribisch vorbereiten, spontane Reaktionen sind nicht seine Art (rückläufiger Merkur im Steinbock). Ich glaube kaum, dass er sich den Druck einer Samstagabendshow aussetzen wird, in der er spontan reagieren muss.  

Zu deutlich ist der Wunsch, sich selbst nicht in den Mittelpunkt einer Show zu stellen, sondern über Rollen zu agieren. Seine Sonne steht im Quadrat zu Chiron, außerdem gibt es eine Mars-Uranus-Pluto-Konjunktion. Mit diesen Aspekten bestehen anfänglich starke Identitätsprobleme, die alsbald in die Erkenntnis münden, dass man leichter jemand anderer als man selbst sein kann. Kerkeling schafft Kunstfiguren, die wie ein Schutzschild die eigene Person verdecken. Es ist der spannungsreiche Kontakt zwischen Chiron und Sonne, der zunächst ein erhöhtes Schamgefühl bedeutet, das sich immer dann zeigt, wenn der Betroffene im Mittelpunkt der Aufmerksamkeit er selbst sein soll. Kerkeling ist selten nur er selbst und empfindet sich dabei dann unter Umständen sogar als zu normal oder gar langweilig. Wir erkennen, dass man sich selbst am besten an der Stelle hilft, an der man sich seiner Wunde gewahr ist – Kerkelings Chironprinzip wird deutlich: Humor ist eine Therapie – das spricht für die Qualität der Selbstheilung bei Kerkeling, die zudem das Leben anderer bereichert.

Das ZDF wird wohl weitersuchen müssen und so kommt die angekündigte Sendepause in der ersten Jahreshälfte 2012 sicher ganz gelegen. Oder er passiert gar etwas ganz anderes, wie es Helmut Thoma, Ex-RTL-Chef in der Bild am Sonntag formulierte? „Die Zeit von ,Wetten, dass . .?‘ ist abgelaufen. Das ZDF sollte eine neue Show konzipieren, die auf Kerkelings Können zugeschnitten ist. Das wäre für ihn viel interessanter, als sich bei ,Wetten, dass . .?‘ unter Wert zu verkaufen.“

Gelesen 12107 mal Letzte Änderung am Mittwoch, 11 März 2015 11:37
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Stefan Ringstorff

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2 Kommentare

  • Kommentar-Link Claudia Schulz Montag, 07 November 2011 14:29 gepostet von Claudia Schulz

    Tja Stefan, diese Wette hast du gewonnen! ;-)

  • Kommentar-Link Claudia Schulz Montag, 24 Oktober 2011 17:17 gepostet von Claudia Schulz

    Hape in der Nachfolge von Thomas Gottschalk ist für mich eigentlich nicht vorstellbar. Viel zu spannungsreich zeigt sich m.E. sein Horoskop, mit den zahlreichen T-Quadraten, als dass er locker den Entertainer geben könnte. Hape braucht wohl seine Kunstfiguren, um komisch sein zu können. Ohne diese Maske scheint er mir eher ein recht ernsthafter Mensch zu sein, der immer auch mit sich selbst ringt.
    Die übergestreifte Kunstfigur gibt ihm eine sehr strukturiert erarbeitete Möglichkeit, auch mal eine scheinbare Lockerheit ausleben zu können.
    Wer sein Buch „Ich bin dann mal weg“ gelesen hat, erkennt, dass Hape als reale Person ganz anders ist, als seine Rollen es annehmen lassen.
    Also, als Königin der Niederlande ist er absolut okay – vielleicht sollte er lieber bei solcher Art von Unterhaltung bleiben!

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